Städteporträt Liverpool

Liverpool im Laufe der Zeit

Einst galt Liverpool als die wenig hübsche Schwesterstadt Manchesters und stand lange in ihrem Schatten. Doch spätestens seit der Ernennung Liverpools zur Kulturhauptstadt Europas zeigt sich die Stadt von ihrer schönen Seite. Liverpool ist heute eine moderne, pulsierende Stadt, deren Geschichte überall sichtbar ist und die ihre Kulturschätze hütet und pflegt.

Die ersten Spuren des heutigen Liverpool können bis aufs Jahr 1190 zurückverfolgt werden. Zu dieser Zeit befand sich dort laut Quellen ein Ort namens Liuerpul, was so viel wie schlammige Bucht beziehungsweise schlammiger Pfuhl bedeutet. Im Jahre 1207 erhielt die Ortschaft das Marktrecht und der Hafen eine Lizenz, um offiziell als Handelsumschlagplatz zu agieren. Trotz dessen entwickelte sich Liverpool nur sehr langsam. So lebten zur Mitte des 16. Jahrhunderts in der Stadt nur knapp 500 Menschen. Im Jahre 1571 verfassten die Bürger Liverpools sogar eine Bittschrift an die Königin Elisabeth I., in der sie darum baten, die "arme, heruntergekommene Stadt Liverpool" von zu hohen Steuerabgaben zu befreien. Erst im 17. Jahrhundert erlebte Liverpool einen Aufschwung, der sie schlussendlich zu einer der wichtigsten Städte Englands machte. Der Handel mit den Westindischen Inseln nahm wesentlich zu, insbesondere durch den Handel mit Sklaven konnte Liverpool bedeutsame wirtschaftliche Gewinne verbuchen. Im 18. Jahrhundert galt der Sklavenmarkt in Liverpool als der größte seiner Art weltweit.

Auch im 19. Jahrhundert war der Handel einer der Hauptwirtschaftszweige Liverpools. Knapp 40 % des weltweiten Handels wurden zum Anfang des 19. Jahrhunderts über den Hafen Liverpools abgewickelt. Zu den Handelsgütern gehörten auch Textilien aus Manchester, weshalb George Stephenson im Jahre 1829 eine Eisenbahnlinie zwischen den Städten erbaute, um die Güter einfacher nach Liverpool transportieren zu lassen. Der Liverpooler Hafen war zudem für knapp 9 Millionen Europäer der Startpunkt für ihre Reise in die neue Welt. Die meisten der Auswanderer bestiegen hier eine der großen Passagierfähren in die USA, aber auch Schiffe nach Australien und Neuseeland fuhren vom Liverpooler Hafen ab. Durch den wirtschaftlichen Erfolg und dem Wachstum Liverpools, erhielt die Stadt im Jahre 1880 offiziell das Stadtrecht. In den folgenden Jahren war Liverpool nicht nur Anziehungspunkt für Auswanderer, die in die neuen Kolonien auswandern wollten, sondern auch für Einwanderer, die sich in Liverpool bessere Arbeitschancen erhofften. Bis zum Jahre 1930 wuchs so die Einwohnerzahl Liverpools auf knapp 850.000 Bürger.

Der 2. Weltkrieg hat auch in Liverpool seine Spuren hinterlassen. Die Stadt wurde insbesondere in den Jahren 1940 und 1941 während der Luftschlacht um England massiv bombardiert. Nach dem Ende des Krieges wurde ein Großteil der zerbombten Häuser wieder aufgebaut. In der Nachkriegszeit musste Liverpool turbulente Jahre überstehen. Der Hafen verlor an Bedeutung und damit auch die Stadt an Wirtschaftskraft. Die daraus resultierende Arbeitslosigkeit führte im Jahre 1981 zu Protesten und Ausschreitungen. Erst in den 1990er Jahren konnte die Stadt sich wieder erholen. Dank dem wachsenden Dienstleistungssektor und dem Tourismus entstanden neue Arbeitsplätze und die Lebensqualität stieg. Der strukturelle Wandel der Stadt hin zu einer modernen Stadt mit kulturellem Angebot zeigt sich auch darin, dass Liverpool im Jahre 2008 den Titel europäische Kulturhauptstadt führen konnte. Zahlreiche Kulturprojekte wurden stark gefördert und machen die Stadt heute zu einem kosmopolitischen Zentrum. Die Liverpudlians oder Scousers, wie die Einwohner Liverpools genannt werden, sind stolz auf ihre Stadt, die es geschafft hat, auch in der Moderne zu überleben und sich ein neues Antlitz zu verpassen.

Liverpools Innenstadt und ihre Baudenkmäler

Liverpools bewegte Geschichte lässt sich immer noch im Stadtbild wiederfinden. Zahlreiche Gebäude erinnern an die vergangenen Zeiten und erstrahlen bis heute im alten Glanz. Neben den klassisch imposanten Kirchenbauten und Wohnhäusern im edwardianischen Baustil, begeistert vor allem das Hafengelände mit seinen roten Backsteingebäuden. Die moderne Architektur bettet sich perfekt in das alte, historische Liverpool ein. Die schiere Anzahl an gut erhaltenen Gebäuden aus der viktorianischen Zeit macht Liverpool zu einer schönsten viktorianischen Stadt Englands.

Die sehenswertesten Gebäude und Orte Liverpools sind:

  • religiöse Zentren Liverpools: die St. Lukes Kirche, die Liverpool Kathedrale, die Liverpool Metropolitan Kathedrale und die Princes Road Synagoge
  • das Hafenviertel Liverpools mit den Three Graces
  • Stattliche Wohngebäude: Speke Hall und Croxteth Hall
  • das Viertel RopeWalks mit der Chinatown

Kein Ort in Liverpool steht so symbolisch für die Zerstörung des 2. Weltkrieges wie die St. Lukes Kirche. Diese Kirche, erbaut in den Jahren zwischen 1811 und 1832, wurde während der Blitzangriffe schwer beschädigt. Anstatt sie wieder aufzubauen, steht sie nun als Mahnmal und wird als Ausstellungshalle genutzt. In Liverpool gibt es heutzutage zwei Kathedralen, die aufgrund ihrer besonderen Architektur beide absolut sehenswert sind. Die Liverpool Kathedrale ist die ältere der beiden und wurde im neugotischen Renaissance-Baustil zwischen den Jahren 1904 und 1978 erbaut. Sie ist eine der größten Sakralbauten, die im 20. Jahrhundert errichtet wurden. Vom Turm der imposanten Kathedrale hat man einen tollen Blick auf die Stadt. Die Liverpool Metropolitan Kathedrale hingegen ist im modernen Stil gehalten und wurde im Jahre 1967 fertiggestellt. Sie wird von den Liverpudlians auch liebevoll als "Paddy's Wigwam" bezeichnet, da ihre Form an ein großes Zelt erinnert. Nicht nur die moderne Bauweise macht die Metropolitan Kathedrale zu einem absoluten Hingucker. Auch das Innere der Kathedrale ist besonders schön, insbesondere die farbige Decke aus Glas. Farbenfreudig sind auch die Innenräume der Princes Road Synagoge. Diese wurde im gotischen Stil erschaffen, die Architekten ließen aber auch bei der Planung maurische Elemente mit einfließen.

Liverpools wirtschaftliche Kraftquelle war einst der Handel, der über den Hafen abgewickelt wurde. Das Hafenviertel steht heute unter dem Schutz der UNESCO, war es doch einst einer der modernsten Häfen seiner Zeit. Viele der alten charakteristischen Lagerhallen aus rotem Backstein sind heute Kulturzentren oder werden anderweitig verwendet. Insbesondere der Albert Dock und der Pier Head sind belebte Viertel, in denen man in Ruhe schlendern kann und die Umgebung erkunden kann. Im Pier Head Areal befinden sich auch die Three Graces: das Royal Liver Gebäude, das Cunard Gebäude und das Port of Liverpool Gebäude. Alle drei Gebäude begeistern durch ihre imposante und einzigartige Bauweise. Das Royal Liver Gebäude wurde im Jahre 1911 gebaut und besitzt zum Beispiel ein Ziffernblatt, welches mit fast 2 Metern Durchmesser deutlich größer ist, als das am berühmten Big Ben in London. Zudem ist das Royal Liver Gebäude eines der ersten mehrgeschossigen Gebäude Englands, die mit einer Stahlkonstruktion erbaut wurden. Das elegante Cunard Gebäude wurde im Jahre 1916 als Firmensitz der Reederei Cunard errichtet und nutzt Elemente der italienischen und griechischen Renaissance. Das dritte Gebäude der wohl markantesten Wahrzeichen Liverpools, das Port of Liverpool Gebäude, war einst der Sitz der Hafenbehörde der Stadt. Das Gebäude ist im Neobarock gehalten und wurde im Jahre 1907 fertiggestellt.

Ein Großteil der Gebäude Liverpools stammt aus der Zeit nach dem 17. Jahrhundert. Doch auch Häuser aus der Tudor-Epoche haben bis heute überlebt. Besonders sehenswert ist Speke Hall, ein Herrenhaus im Tudor-Stil mit Fachwerk. Das Gebäude wurde im Jahre 1598 fertiggestellt, das Interieur stammt jedoch zum Großteil aus dem 19. Jahrhundert. Auch Croxteth Hall wurde während der Tudor-Epoche erbaut und während des 19. Jahrhunderts erweitert. Beide Anwesen sind von großen Parkflächen umgeben, die viel Platz zum Spazieren und Erholen bieten. Im Bezirk Canning befinden sich zahlreiche weitere prachtvolle Wohngebäude, die meisten stammen aus der gregorianischen Periode aus dem 20. Jahrhundert.

Liverpools Handelsgeschichte machte die Stadt auch attraktiv für Einwanderer und so formte sich eine multikulturelle Gesellschaft in der Stadt. Ein noch heute sichtbares Symbol dafür ist die Chinatown. Im Jahre 1834 legte das erste chinesische Schiff mit begehrten Gütern wie Seide, Baumwolle und Tee in Liverpool an. In den folgenden Jahren wurde der Handel mit China immer weiter ausgebaut und immer mehr chinesische Seeleute wurden von den Reedereien angestellt. Nach und nach entwickelte sich eine chinesische Gemeinschaft, die ab den 1890er Jahren auch kleine Geschäfte und Restaurants in Liverpool eröffneten. Daraus entwickelte sich die Chinatown, welche die älteste in ganz Europa ist. Sie liegt im Bezirk RopeWalks in der Nähe zum Hafen. RopeWalks ist heute ein buntes, belebtes Viertel, in dem es sich gut schlendern lässt. Auffällig sind die langen, geraden Straßen. Früher nutzte man diese, um die Seile, die hier im Viertel produziert wurden, lang auszulegen.

Liverpool erleben - Erholung pur und Adrenalin-Kick

Wer in Liverpool ein wenig Ruhe genießen will, kann sich in einer der vielen Parkanlagen zurückziehen. Egal ob der Otterspool Park, der Sefton Park oder der Calderstones Park - alle drei Parks bieten große Grünflächen zum Sonnen und Entspannen. Der Otterspool Park bietet zudem ein Abenteuerzentrum mit einem Trimmpfad. Der Sefton Park begeistert mit seinen Springbrunnen und dem Palmenhaus. Im Calderstones Park kann man zudem einen botanischen Garten mit fast 4000 Pflanzen besuchen. Adrenalin pur versprechen die Fußballspiele der Liverpooler Fußballmannschaft. Der Liverpool Football Club ist einer der besten Europas und ein Besuch des Stadiums inklusive Spiel lohnt sich allemal. Den etwas anderen Nervenkitzel kann man tief unter der Stadt erleben in den Williamson Tunneln. Das Labyrinth aus Tunneln wurde von einem exzentrischen Tabakhändler zum Anfang des 19. Jahrhundert erbaut. Bis heute ist die Funktion des Tunnelsystems unklar, spannend ist ein Blick in die Katakomben ist ein ganz besonders Erlebnis.