Städteporträt Manchester

Von einer kleinen Siedlung zur modernen Stadt - Manchesters lange Geschichte

Manchester ist eine reiche Stadt, wenn man Reichtum an einer glanzvollen Geschichte, einer bunten Musikszene und einer international beliebten Fußballmannschaft festmacht. Manchester gilt als Juwel in Nordengland und begeistert mit seinem ganz eigenen Charakter, ungezwungenen Humor und einer lebendigen Kulturszene, die es so in keiner weiteren britischen Stadt gibt.

Die ersten Besiedlungsspuren Manchesters können auf das 7. Jahrhundert datiert werden. Angelsachsen siedelten im heutigen Stadtgebiet, errichteten ein Kastell und gaben ihrem Dorf den Namen Mameceaster, was im Keltischen brustförmiger Hügel bedeutet. Später entwickelte sich aus diesem Namen der heutige Name Manchester. In den kommenden Jahrhunderten wuchs die Siedlung stetig zu einer Marktsiedlung im 13. Jahrhundert mit dem Recht, Jahrmärkte durchzuführen. Mit den Flandern, die in Manchester im 14. Jahrhundert siedelten, kam die Wollverarbeitung und Leinenherstellung in die Stadt, die vor allem im 16. Jahrhundert sehr bedeutend für die Industrie der Stadt Manchester waren. Während der industriellen Revolution wurden zahlreiche Baumwollspinnereien gegründet, die durch Dampfmaschinen nun noch effektiver wirtschaften konnten. Manchester wurde zum Zentrum der Baumwollstoffherstellung und erlebte einen Bevölkerungssprung, da zahlreiche Menschen aus den umliegenden Gegenenden aufgrund der Arbeitsmöglichkeiten in die Stadt zogen. Die Bevölkerungszahl verdoppelte sich in nur wenigen Jahrzehnten und Manchester galt im 17. Jahrhundert als einer der wichtigsten Industriestandorte der Welt und spielte eine zentrale Rolle in der Industrialisierung Großbritanniens. Dieses Wachstum wirkte sich zwar positiv auf die wirtschaftliche Leistung der Stadt aus, jedoch waren die meisten Arbeiter zu Niedriglöhnen angestellt und die Lebensverhältnisse galten als mit die schlechtesten im gesamten Land. Für lange Zeit stand Manchester deswegen als Symbol für die Arbeiterklasse und deren schwierige Lebensumstände. Neben den vielen Häusern, die für die arme Bevölkerung gedacht waren, entstanden im 18. und 19. Jahrhundert jedoch auch Bildungseinrichtungen und Prestigebauten für die besser betuchte Bevölkerung wie die heutige Universität von Manchester und die Literarische und Philosophische Gesellschaft.

Nachdem die Textilindustrie zwar die Stadt für lange Zeit definiert hat, jedoch an Bedeutung verlor, änderte sich die Wirtschaftsstruktur Manchesters im 20. Jahrhundert hin. Im Jahre 1910 eröffnete der Trafford Park als Industriezone. Hier gründeten zahlreiche Firmen Werkhäuser, wie zum Beispiel die Ford und Westinghouse Electric Corporation. Dieses Industriegebiet war einzigartig und das erste seiner Art auf der Welt. Im Trafford Park wurden unter anderem auch die Avro-Flugzeuge gebaut, weshalb die Stadt im 2. Weltkrieg stark bombardiert wurde mit der Folge, dass ein Großteil des historischen Stadtbildes zerstört wurde. Nach dem 2. Weltkrieg begann der Wandel Manchesters weg von der Industrie hin zur Dienstleistungs- und Medienstadt. Neue, futuristische Gebäude entstanden, die alten wurden in die moderne Architektur mit eingebunden. Dieser Strukturwandel wurde sogar von der Europäischen Union im Jahre 2003 mit einem Preis ausgezeichnet und Manchester gilt heute als Vorbild für die Veränderung in eine moderne Stadt. Zudem wird Manchester heutzutage oft als Second City Englands bezeichnet. Sie gilt als zweitwichtigste Stadt Englands nach London, vor allem aufgrund der früheren Bedeutung als industrielles Zentrum aber eben auch wegen ihrer heutigen Leistungskraft im Bereich der Dienstleistung. Mit den knapp 500.000 Einwohnern kann man Manchester zwar nicht unbedingt als Metropole bezeichnen, dennoch ist die Stadt bekannt für ihre hohe Lebensqualität. Kultur und Musik prägen das Leben der Stadt und die Mancunians, wie die Einwohner Manchesters bezeichnet werden, sind stolz auf das heutige Antlitz ihres lebendigen Manchesters.